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35568 - Kommentar zu Burg Schreckenstein - (5) - Die Schreckensteiner auf der Flucht
barracuda  06.02.2011 19:38

 Bei dem Hörspiel handelt es sich um eine Vertonung der Romanserie "Burg Schreckenstein" von Oliver Hassencamp, bearbeitet von dem legendären H.G. Francis alias Hans Gerhard Franciskowsky und der congenialen Heikedine Körting, deren Zusammenarbeit man aus vielen Hörspielen kennt.

Der Titel "Die Schreckensteiner auf der Flucht" ist überdramatisiert und irreführend. Die Bewohner des Jungeninternats, das den einfallslosen Namen Schreckenstein trägt, müssen lediglich, weil die Heizung ausgefallen ist, in die nahe gelegene Mädchenschule Schloss Rosenfels (siehe!) umziehen und erproben dort den zweifelhaften Charme ihrer Männlichkeit. Eigentlich fliehen die Schreckensteiner nur aus den Stuben ihre Internats, in denen sie ihre schmutzstarrenden Unterhemden an die Wand lehnen, da sie beschlossen haben, sie in der Kälte nicht mehr zu wechseln. Dabei messen und vergleichen sie zu allem Überfluss noch deren Standfestigkeit.
Das die zähe Geschichte durchziehende Grundmotiv ist die Regelsammlung ihres Männerbundes: Nach außen markieren sie Ritterlichkeit und Integrität, nach innen festigen sie ihre Gemeinschaft durch gewalttätige Rituale - Vergehen gegen ihren Codex werden reihum mit Hieben auf die nackte Haut geandet (Szene auch im Hörspiel!).
Damit sie des Nachts länger mit den kokettierenden Mädchen zusammen sein können (eigentlich verbieten diese den Schreckensteinern gleich am Anfang jeden Kontakt), inszenieren sie einen Streich ohne jede Finesse, den ihr Direktor am Ende der Folge selbst absegnet, um den Frühschoppen mit dem Kollegium zu rechtfertigen.

Technisch ist das Hörspiel angemessen umgesetzt, wenn auch einige weibliche Rollen recht hölzern gesprochen werden. Man fragt sich lediglich, warum Francis und Körting diesen auf platten Rollenklischees beruhenden Stoff ausgewählt haben; als jugendliches Sittengemälde der späten 60er?